Drei Personen im Gespräch bei einer Vorkontrolle mit Hund im Wohnzimmer

Warum wir Vor­kontrollen machen

Wir wollen wissen, wie Ihr lebt, nicht wie Ihr wohnt.

Vor einer Adoption schauen wir uns das zukünftige Zuhause unserer Hunde einmal persönlich an. Keine Sorge, es geht weder um Staub auf dem Regal noch darum, ob die Sofakissen farblich zusammenpassen.

Eine Vorkontrolle bei Hundeadoption gehört für uns zum Vermittlungsprozess dazu. Das Gleiche gilt übrigens auch, wenn jemand Pflegestelle werden möchte. Dabei schauen wir uns das zukünftige Zuhause unserer Hunde einmal persönlich an. Keine Sorge, es geht weder um Staub auf dem Regal noch darum, ob die Sofakissen farblich zusammenpassen.

Wenn das Wort „Vorkontrolle“ fällt, klingt das für manche erst einmal ein bisschen nach TÜV. Kommt jetzt jemand mit Klemmbrett vorbei, misst den Gartenzaun nach, schaut in jeden Schrank und vergibt am Ende Punkte für Ordnung, Hundeerfahrung und dekorative Hundekörbchen? Nein. Eine Vorkontrolle ist für uns vor allem ein weiterer wichtiger Baustein im Vermittlungsprozess.

Zu diesem Zeitpunkt liegt die Selbstauskunft bereits vor und auch das telefonische Erstgespräch haben wir schon geführt. Da gehen wir schon ziemlich in die Tiefe. Wir sprechen über Euren Alltag, Arbeitszeiten, vorhandene Tiere, Betreuung, Erwartungen und natürlich ausführlich über den Hund, für den Ihr Euch interessiert. Weil wir unsere Hunde gut kennen, können wir dabei oft schon ziemlich gut einschätzen, ob der ausgesuchte Hund grundsätzlich zu Euch passen könnte.

Es geht nicht um die perfekte Wohnung

Uns interessiert nicht, ob die Küche aufgeräumt ist, irgendwo Wäsche herumliegt oder der Hund später auf einer Designer-Couch schläft. Ihr müsst vor einer Vorkontrolle also weder Fenster putzen noch hektisch versuchen, den Wäscheständer verschwinden zu lassen.

Wir möchten sehen, wie Ihr lebt. Wie wirkt die Wohnsituation? Wie ist das Umfeld? Gibt es viele Treppen, starken Straßenverkehr oder einen Garten? Ein Zuhause kann auf Fotos wunderschön wirken und trotzdem überhaupt nicht zu Hundehaltung passen. Genauso kann eine kleine Wohnung ohne Garten ein großartiges Zuhause sein. Quadratmeter allein sagen erstaunlich wenig darüber aus, wie gut ein Hund später leben wird.

Ein Garten ist schön, aber kein Qualitätssiegel

Ein Garten kann großartig sein. Er ersetzt aber keine Spaziergänge, Beschäftigung oder gemeinsamen Alltag. Und ein Haus mit 1.000 Quadratmetern Grundstück ist nicht automatisch besser als eine Wohnung im zweiten Stock.

Wenn ein Garten vorhanden ist, schauen wir natürlich darauf, wie er gesichert ist. Besonders bei Hunden, die schnell, jagdlich motiviert oder schreckhaft sind, kann ein niedriger oder löchriger Zaun später ziemlich spannend werden. Aber niemand fällt bei der Vorkontrolle durch, nur weil kein Garten vorhanden ist. Manchmal passt eine Wohnung mitten im Grünen viel besser zum Hund als das Einfamilienhaus an einer viel befahrenen Straße mit Garten und Gartenzwerg.

Jeder Hund braucht etwas anderes

Der eine Hund steigt aus dem Transporter, schaut sich kurz um und findet alles offenbar sofort ziemlich gut. Der nächste erschrickt schon, wenn draußen eine Mülltonne umfällt. Ein junger, selbstbewusster Hund kann mitten in der Stadt wunderbar zurechtkommen, während ein sehr unsicherer Hund dort möglicherweise dauerhaft gestresst wäre.

Auch körperliche Voraussetzungen spielen eine Rolle. Für einen jungen kleinen Hund sind drei Stockwerke vielleicht überhaupt kein Thema. Bei einem großen Senior oder einem Hund mit Handicap sieht das schon anders aus. Deshalb gibt es bei uns nicht die eine Liste mit „gutes Zuhause“ und „schlechtes Zuhause“. Entscheidend ist immer die Frage: Passt dieser Hund zu diesem Leben?

Wir schauen auch auf die Umgebung

Die Wohnung selbst ist nur ein Teil des Bildes. Mindestens genauso interessant ist das, was direkt vor der Haustür passiert. Lebt Ihr ruhig auf dem Land oder mitten in der Innenstadt? Gibt es einen Aufzug? Wie weit ist es bis zu einer Grünfläche? Begegnet man beim Verlassen des Hauses sofort fünf Nachbarshunden im engen Treppenhaus?

Bei manchen Hunden ist das völlig egal. Bei anderen kann genau das entscheidend sein. Ein Hund, der in Spanien bisher fast nur Tierheim kennt, muss nicht automatisch begeistert davon sein, morgens um acht an Straßenbahn, Baustelle, Schulhof und 200 Pendlern vorbeizulaufen.

Das Erstgespräch geht schon ziemlich in die Tiefe

Bevor überhaupt eine Vorkontrolle stattfindet, haben wir schon ausführlich miteinander telefoniert. In diesem Erstgespräch sprechen wir sehr genau darüber, wie Ihr lebt, was Ihr von einem Hund erwartet und was der jeweilige Hund mitbringt.

Dabei können wir schon recht gut einschätzen, ob der ausgesuchte Hund grundsätzlich zu Euch passen könnte. Wenn wir merken, dass ein anderer Hund wahrscheinlich besser passen würde, sprechen wir das genauso offen an. Die Vorkontrolle ist deshalb nicht der Moment, in dem wir zum ersten Mal herausfinden, wer Ihr seid. Sie ergänzt das Bild, das wir durch Selbstauskunft und Telefonat bereits haben.

Alle sollten mit dabei sein

Bei der Vorkontrolle sollten möglichst alle Menschen anwesend sein, die später mit dem Hund zusammenleben. Bis dahin haben wir meistens vor allem mit einer Person gesprochen. Vor Ort bekommen wir deshalb zum ersten Mal einen Eindruck davon, wie die ganze Familie so ist und zu der geplanten Adoption steht.

Wenn der Partner eigentlich überhaupt keine Lust auf einen Hund hat, die Kinder panische Angst haben oder eine baldige Scheidung schon in der Luft liegt, ist das keine gute Ausgangslage. Ein Hund zieht schließlich meistens nicht nur bei der Person ein, die die Bewerbung ausgefüllt hat, sondern wird Teil einer Familie.

Am Ende soll aus Hund und Menschen ein möglichst harmonisches Team werden. Dafür müssen nicht alle gleich hundeverrückt sein, aber alle sollten mit der Entscheidung einverstanden sein und bereit sein, den Hund als Teil der Familie aufzunehmen.

Vorhandene Tiere gehören natürlich dazu

Wenn bereits Hunde, Katzen oder andere Tiere bei Euch leben, spielt das selbstverständlich ebenfalls eine Rolle. Bei einem vorhandenen Hund geht es zum Beispiel nicht nur darum, ob er grundsätzlich verträglich ist. Alter, Temperament, Geschlecht und Charakter müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Ein gemütlicher zwölfjähriger Hund findet einen jungen Wirbelwind vielleicht deutlich weniger großartig als seine Menschen.

Bei Katzen schauen wir genauso individuell hin. Nicht jeder Tierschutzhund kann zuverlässig auf Katzen getestet werden, besonders wenn er noch im Tierheim in Spanien lebt. Deshalb ist es wichtig, auch die Katze und ihre bisherigen Erfahrungen einzubeziehen.

Eine Vorkontrolle ist keine Gedankenlesemaschine

Und natürlich können wir Euch nur vor den Kopf gucken. Wir können Fragen stellen, zuhören, uns einen Eindruck machen und unsere Erfahrung einbringen. Mehr geht am Ende nicht.

Wenn wir Menschen wirklich vollständig kennenlernen wollten, müssten wir wahrscheinlich erst einmal zwei Monate gemeinsam in Urlaub fahren. Wäre bestimmt interessant, organisatorisch und finanziell aber eher schwierig. Und selbst danach wüssten wir vermutlich noch längst nicht alles voneinander. Schließlich weiß man manchmal nicht einmal alles über die eigene Schwester.

Eine Vorkontrolle kann deshalb niemals absolute Sicherheit geben. Sie ist ein weiteres Puzzleteil, das uns hilft, Entscheidungen nicht nur nach einem Formular und einem Telefonat zu treffen.

Manchmal passt das Gesamtbild einfach nicht

Natürlich kann es vorkommen, dass wir nach einer Vorkontrolle sagen: So passt es leider nicht. Dabei geht es normalerweise nicht um Kleinigkeiten oder darum, ob irgendetwas besonders schön aussieht. Entscheidend ist das Gesamtbild.

Vielleicht merken wir, dass Hundehaltung in der aktuellen Lebenssituation grundsätzlich schwer umzusetzen wäre. Vielleicht gibt es vor Ort Rahmenbedingungen, die vorher nicht so greifbar waren. Oder wir kommen nach allem, was wir wissen und sehen, zu dem Schluss, dass es für den Hund oder die Menschen einfach keine gute Konstellation wäre. Das ist unangenehm, aber immer noch besser, als es erst herauszufinden, wenn der Hund bereits eingezogen ist.

Auch für Euch ist die Vorkontrolle auch hilfreich

Die Vorkontrolle funktioniert übrigens nicht nur in eine Richtung. Sie ist auch für Euch eine gute Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ist der Gartenzaun hoch genug? Wie sichern wir den Hund in der ersten Zeit? Gibt es etwas an der Wohnsituation, das wir noch anpassen sollten?

Manchmal entstehen bei so einem persönlichen Gespräch noch einmal ganz andere Fragen als am Telefon. Und manchmal hilft ein Blick von außen, Dinge zu sehen, an die man selbst noch gar nicht gedacht hat.

Und wer macht die Vorkontrolle?

Unsere Vorkontrollen werden von erfahrenen Tierschützerinnen oder ehrenamtlichen Helferinnen durchgeführt. Da unsere Adoptanten nicht alle direkt um die Ecke wohnen, arbeiten wir dafür auch mit einem Netzwerk aus anderen Tierschutzvereinen zusammen.

Die Person vor Ort muss unseren jeweiligen Hund dabei nicht persönlich kennen. Das ist auch gar nicht ihre Aufgabe. Alles, was speziell diesen Hund betrifft, haben wir vorher im Erstgespräch bereits ausführlich mit Euch besprochen.

Bei der Vorkontrolle geht es darum, einen persönlichen Eindruck von Euch und Eurem Lebensumfeld zu bekommen und uns anschließend eine ehrliche Einschätzung zurückzugeben. Und nein, die Staubschicht auf dem Regal fließt weiterhin nicht in die Bewertung ein.

Warum wir lieber einmal mehr hinschauen

Eine Vorkontrolle kann natürlich nicht garantieren, dass später alles perfekt läuft. Das kann niemand. Ein Hund entwickelt sich, Lebenssituationen verändern sich und manchmal tauchen Herausforderungen auf, die vorher schlicht nicht absehbar waren.

Aber je mehr Puzzleteile wir haben, desto besser können wir einschätzen, ob eine Adoption grundsätzlich auf einer guten Basis steht. Selbstauskunft, Erstgespräch, unsere Einschätzung des Hundes und die Vorkontrolle gehören für uns deshalb zusammen. Nicht, weil wir Menschen kontrollieren möchten, sondern weil hinter jeder Vermittlung ein Hund steht, der möglichst nicht nach ein paar Wochen wieder sein Zuhause verlieren soll.


Fazit

Wenn wir zur Vorkontrolle kommen, möchten wir vor allem eines: ein möglichst echtes und ehrliches Bild davon bekommen, wie Euer gemeinsames Leben mit einem Hund später aussehen könnte.

Also lasst den Wäscheständer ruhig stehen. Wir wollen wissen, wie Ihr lebt, nicht wie Ihr wohnt.

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