Die meisten Hunde müssen irgendwann einmal alleine bleiben können. Für den einen klappt das nach relativ kurzer Zeit ziemlich entspannt, der nächste findet schon drei geschlossene Türen hintereinander höchst verdächtig.
Wie schnell ein Hund alleine bleiben lernen kann, ist sehr unterschiedlich und lässt sich deshalb nicht pauschal sagen. Alter, Charakter, Vorgeschichte, Bindung, bisherige Erfahrungen und der neue Alltag spielen dabei eine große Rolle. Gerade bei Tierschutzhunden kommt noch dazu, dass viele das Alleinsein in einer Wohnung oder einem Haus überhaupt nicht kennen.
Hunde sind soziale Tiere. Für viele ist es zunächst völlig logisch, ihren Menschen zu folgen, sobald dieser den Raum verlässt. Manche legen sich einfach hin, andere werden unruhig und wieder andere geraten tatsächlich in Stress, sobald sie merken, dass niemand mehr da ist.
Deshalb ist Alleinbleiben keine Fähigkeit, die ein Hund automatisch mitbringt. Manche haben es in ihrem früheren Zuhause bereits gelernt, andere müssen ganz von vorne anfangen. Und selbst ein Hund, der früher problemlos alleine war, kann nach einem Umzug oder einer Adoption erst einmal wieder Schwierigkeiten damit haben.
Im Internet findet man gern Pläne wie: am ersten Tag eine Minute, am dritten Tag zehn Minuten und nach zwei Wochen eine Stunde. Das klingt schön übersichtlich, hat aber einen kleinen Haken: Hunde lesen diese Pläne leider nicht.
Der eine Hund schläft nach wenigen Tagen entspannt weiter, wenn sein Mensch kurz verschwindet. Ein anderer wird schon nervös, sobald die Jacke angezogen wird. Entscheidend ist deshalb nicht, was laut Plan heute dran wäre, sondern wie der Hund tatsächlich auf die einzelnen Schritte reagiert.
Gerade beim Alleinbleiben lohnt es sich nicht, unbedingt möglichst schnell voranzukommen. Wird die Dauer zu früh zu stark erhöht und der Hund gerät dabei regelmäßig in Stress, kann das Training sogar schwieriger werden.
Lieber mehrere kleine Schritte, die gut funktionieren, als ein großer Schritt, bei dem der Hund komplett überfordert ist.
Ein frisch eingezogener Hund hat zunächst genug damit zu tun, sein neues Leben zu verstehen. Neue Menschen, neue Gerüche, neue Räume, neue Geräusche und plötzlich ganz andere Abläufe. Gerade bei einem Hund aus dem Tierschutz muss deshalb nicht am zweiten Tag getestet werden, ob er schon eine Stunde alleine bleiben kann.
Zunächst sollte der Hund Sicherheit gewinnen und seinen neuen Alltag kennenlernen. Das bedeutet nicht, dass man wochenlang rund um die Uhr am Hund kleben muss. Kleine alltägliche Trennungen können von Anfang an dazugehören. Mal bleibt der Hund im Wohnzimmer, während Du kurz in die Küche gehst. Mal schließt sich für einen Moment eine Tür. Alles ganz unspektakulär.
Das eigentliche Alleinbleiben lässt sich dann nach und nach aufbauen, sobald der Hund sich im neuen Zuhause grundsätzlich sicherer fühlt.
Beim Training geht es zunächst nicht darum, möglichst lange weg zu sein. Der Hund soll lernen, dass Dein Verschwinden nichts Besonderes ist und Du zuverlässig wiederkommst.
Das kann anfangs bedeuten, nur kurz vor die Tür zu gehen und direkt wieder hereinzukommen. Später werden daraus ein paar Minuten und irgendwann längere Zeiträume. Wie schnell sich die Dauer steigern lässt, bestimmt der Hund.
Entscheidend ist, ob der Hund während Deiner Abwesenheit entspannt bleiben kann. Legt er sich hin, döst oder beschäftigt sich ruhig, ist das ein gutes Zeichen. Läuft er dagegen ständig zur Tür, hechelt, jault oder kommt überhaupt nicht zur Ruhe, war der Schritt wahrscheinlich zu groß.
Deshalb bringt es wenig, stolz zu sagen, dass der Hund schon 30 Minuten alleine schafft, wenn er davon 29 Minuten gestresst vor der Haustür sitzt.
Nicht jeder Hund zeigt Stress gleich. Manche bellen oder jaulen laut, andere laufen unruhig durch die Wohnung. Einige kratzen an Türen, zerstören Dinge oder werden unsauber. Manche wirken nach außen viel unauffälliger und hecheln, sitzen angespannt an der Tür oder können einfach nicht schlafen.
Auch wenn ein Hund Futter normalerweise liebt und es plötzlich nicht mehr anrührt, sobald Du die Wohnung verlässt, kann das ein Hinweis darauf sein, dass er zu angespannt ist.
Mit einer einfachen Kamera lässt sich gut beobachten, was tatsächlich passiert, sobald die Tür ins Schloss fällt. Denn nur weil es beim Nachhausekommen ruhig ist, heißt das nicht automatisch, dass der Hund die ganze Zeit entspannt geschlafen hat.
So siehst Du zum Beispiel, ob er sich nach kurzer Zeit hinlegt, ständig zwischen Fenster und Tür pendelt oder überhaupt nicht zur Ruhe kommt. Das macht es viel leichter, das Training wirklich an den Hund anzupassen.
Bei vielen Tierschutzhunden wissen wir schlicht nicht, ob sie jemals alleine geblieben sind. Ein Hund, der vorher auf der Straße gelebt hat, kennt vielleicht kein Haus. Ein ehemaliger Jagdhund hat möglicherweise nie in einem normalen Familienalltag gelebt. Und auch ein Hund aus dem Tierheim ist dort selten wirklich alleine.
Im Tierheim sind andere Hunde, Pfleger, Geräusche und Bewegung fast immer in der Nähe. Das ist etwas völlig anderes, als plötzlich alleine in einer stillen Wohnung zu sitzen.
Deshalb können wir bei einem Hund, der noch in Spanien lebt, nicht seriös versprechen, dass Alleinbleiben später problemlos funktionieren wird. Auf einer Pflegestelle lässt sich das häufig besser einschätzen, aber auch dort kann sich das Verhalten in einem neuen Zuhause noch einmal verändern.
Wenn ein Hund beim Alleinbleiben deutlichen Stress zeigt, hilft meistens nicht die Methode Augen zu und durch. Dann sollte das Training wieder auf einen Punkt zurückgesetzt werden, an dem der Hund noch entspannt bleiben kann.
Für die Zeit dazwischen braucht es eine Betreuungslösung. Das können Familie, Freunde, ein Hundesitter oder eine passende Tagesbetreuung sein. Wichtig ist, dass der Hund nicht regelmäßig deutlich länger alleine bleiben muss, als er aktuell bewältigen kann.
Bei starkem Stress, Panik oder anhaltenden Problemen kann außerdem eine gute Hundetrainerin, ein guter Hundetrainer oder eine verhaltenstherapeutische Beratung sinnvoll sein.
Darauf gibt es keine Zahl, die für jeden Hund gleichermaßen passt. Ein erwachsener Hund, der Alleinbleiben gut gelernt hat, kann natürlich länger entspannt alleine bleiben als ein Welpe, ein frisch eingezogener Hund oder ein Hund, der damit bisher Schwierigkeiten hat.
Für uns bei Sonnenpfoten ist trotzdem klar: Ein Hund sollte nicht regelmäßig den Großteil des Tages alleine verbringen müssen. Wenn schon vor der Adoption feststeht, dass ein Hund täglich acht Stunden oder länger alleine wäre, passt das nicht zu unserer Vorstellung von Hundehaltung.
Natürlich müssen die meisten Menschen arbeiten. Das ist völlig normal. Entscheidend ist deshalb nicht, ob Du berufstätig bist, sondern wie Dein Alltag organisiert ist und welche Betreuung möglich ist, wenn längere Abwesenheiten entstehen.
Wenn wir wissen möchten, wie lange ein Hund später alleine bleiben müsste, geht es nicht darum, jemanden für seinen Beruf oder seinen Alltag zu bewerten. Wir müssen einfach einschätzen können, ob die Rahmenbedingungen für den jeweiligen Hund passen.
Vor allem bei einem Hund, der noch im Tierheim lebt, können wir vorher nicht wissen, wie schnell das Alleinbleiben funktionieren wird. Genau deshalb ist es wichtig, dass nach der Adoption genug Zeit für Eingewöhnung und Training vorhanden ist und es für die Übergangszeit eine Alternative gibt.
Was wir vermeiden möchten, ist eine Situation, in der ein Hund nach zwei Wochen Urlaub plötzlich direkt acht Stunden alleine bleiben muss, weil der normale Arbeitsalltag wieder beginnt. Wenn er das bis dahin noch nicht gelernt hat, entsteht schnell ein Problem, das weder für den Hund noch für seine Menschen fair ist.
Und genau dieses Risiko wollen wir bei einer Vermittlung möglichst klein halten. Ein Hund sollte nicht wieder abgegeben werden müssen, nur weil das Alleinbleiben nicht innerhalb weniger Tage so funktioniert hat, wie man es sich vorher vorgestellt hat.
Mehr dazu findest Du bei unseren Voraussetzungen für eine Adoption.
Einen Hund alleine bleiben zu lehren, ist kein Wettlauf. Manche Hunde verstehen ziemlich schnell, dass ihr Mensch wiederkommt. Andere brauchen viele kleine Schritte und deutlich mehr Zeit.
Entscheidend ist nicht, wann der Hund eine bestimmte Minutenmarke erreicht. Entscheidend ist, dass er während Deiner Abwesenheit wirklich entspannt bleiben kann.
Wenn Du kleine Schritte machst, Deinen Hund beobachtest und für die Übergangszeit eine gute Betreuung organisierst, entsteht daraus mit der Zeit oft etwas ziemlich Unspektakuläres. Du gehst aus der Tür, der Hund bleibt zuhause und macht einfach weiter mit dem, was Hunde besonders gut können.
Schlafen.
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