Sodbrennen beim Hund

Wenn Schmatzen, Leerschlucken & Licky Fits vom Magen kommen.

Manche Hunde zeigen Magenprobleme nur sehr unauffällig, andere geraten regelrecht in einen Licky Fit und lecken hektisch Böden, Möbel oder alles, was ihnen vor die Nase kommt. Was hinter Sodbrennen und sogenannter Übersäuerung stecken kann, welche Symptome typisch sind und was im Akutfall helfen kann.

Sodbrennen kennt fast jeder Mensch. Dieses unangenehme Brennen, wenn Magensäure zurück in Richtung Speiseröhre läuft. Beim Hund ist es schwieriger zu erkennen, denn er kann uns natürlich nicht sagen, wo es brennt oder drückt.

Stattdessen zeigt er uns, dass etwas nicht stimmt. Manchmal ziemlich dezent. Manchmal so deutlich, dass nachts um zwei plötzlich der Teppich abgeschleckt wird, als hätte jemand Leberwurst draufgeschmiert.

Was bedeutet Übersäuerung beim Hund eigentlich?

Der Begriff „Übersäuerung“ wird bei Hunden häufig verwendet, ist aber keine eindeutige medizinische Diagnose. Meist werden damit Beschwerden beschrieben, die mit Magensäure, Reflux, Übelkeit oder einem gereizten Magen-Darm-Bereich zusammenhängen.

Bei einem gastroösophagealen Reflux gelangt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Die Schleimhaut dort ist gegenüber Magensäure deutlich empfindlicher als die Magenschleimhaut und kann sich dadurch entzünden. Typische Beschwerden können unter anderem wiederholtes Schlucken, vermehrter Speichelfluss, Regurgitieren, Schluckbeschwerden oder Appetitverlust sein.

Deshalb ist es bei wiederkehrenden Beschwerden sinnvoller, nach der Ursache zu suchen, als einfach davon auszugehen, der Hund habe grundsätzlich „zu viel Magensäure“.

Die Symptome können erstaunlich unscheinbar sein

Nicht jeder Hund mit Magenproblemen steht würgend neben seinem Napf. Gerade leichtere Beschwerden können sich in Verhaltensweisen zeigen, die man zunächst überhaupt nicht mit dem Magen verbindet.

Typisch können zum Beispiel häufiges Schmatzen, Lippenlecken und wiederholtes Leerschlucken sein. Manche Hunde speicheln stärker, wirken besonders nachts unruhig, laufen herum oder finden keine entspannte Liegeposition. Auch vermindertes Fressen, Schluckbeschwerden oder häufiges Regurgitieren können auftreten.

Ein einzelnes Schmatzen ist natürlich noch kein Grund, dem Hund eine komplette gastroenterologische Patientenakte anzulegen. Aufmerksam werden sollte man vor allem dann, wenn bestimmte Verhaltensweisen immer wieder gemeinsam auftreten oder sich ein Muster erkennen lässt.

Schmatzen und Leerschlucken

Viele Hundehalter bemerken zuerst, dass ihr Hund ungewöhnlich viel schluckt. Er leckt sich über die Lippen, schmatzt und schluckt anschließend wieder, obwohl er nichts gefressen oder getrunken hat.

Solche Verhaltensweisen können zu Übelkeit oder Beschwerden im Bereich von Magen und Speiseröhre passen. Sie sind aber nicht spezifisch genug, um allein daraus auf Sodbrennen zu schließen.

Genau deshalb lohnt es sich, den Hund als Ganzes zu beobachten. Wann tritt das Verhalten auf? Vor dem Fressen? Einige Stunden danach? Nachts? Nach bestimmten Futtermitteln? Zusammen mit Grasfressen oder Unruhe?

Solche Beobachtungen können später auch für den Tierarzt sehr hilfreich sein.

Wenn es heftiger wird: Licky Fits

Manche Hunde zeigen ihre Beschwerden deutlich spektakulärer. Sie beginnen plötzlich hektisch zu lecken und hören kaum noch auf. Böden, Teppiche, Möbel, Decken oder andere erreichbare Oberflächen werden regelrecht abgesucht und abgeschleckt. Gleichzeitig schluckt der Hund häufig, speichelt oder wirkt sehr unruhig. Solche Episoden werden umgangssprachlich häufig als Licky Fits bezeichnet.

Ein Licky Fit ist allerdings keine eigene Erkrankung und auch kein sicherer Beweis für Übersäuerung. Hinter dem Verhalten können verschiedene Formen von Übelkeit oder andere gastrointestinale Beschwerden stecken.

Gerade wenn solche Episoden wiederholt auftreten, sollte deshalb abgeklärt werden, warum der Hund sich so verhält, statt nur den einzelnen Anfall zu behandeln.

Grasfressen kann dazugehören

Ein Hund, der draußen gelegentlich ein paar Grashalme frisst, hat nicht automatisch Magenprobleme. Grasfressen gehört bei vielen Hunden durchaus zum normalen Verhalten.

Anders sieht es aus, wenn ein Hund plötzlich hektisch nach draußen möchte und dort größere Mengen Gras regelrecht verschlingt. Besonders in Verbindung mit Schmatzen, Leerschlucken oder einem Licky Fit kann das ein Hinweis darauf sein, dass ihm übel ist oder sich sein Magen unangenehm anfühlt.

Auch hier gilt: Das Verhalten allein liefert noch keine Diagnose. In Kombination mit anderen wiederkehrenden Symptomen wird es aber interessant.

Ein leerer Magen kann eine Rolle spielen

Bei manchen Hunden treten Beschwerden besonders dann auf, wenn zwischen den Mahlzeiten lange Pausen liegen. Andere zeigen Symptome nachts oder früh morgens.

Das bedeutet nicht automatisch, dass jeder Hund mit Sodbrennen einfach häufiger gefüttert werden muss. Bei Erkrankungen von Speiseröhre und Reflux können kleine, häufigere Mahlzeiten allerdings Teil einer tierärztlichen Behandlung sein.

Wenn sich auffällige Episoden immer zu ähnlichen Zeiten wiederholen, lohnt es sich deshalb, auch die Fütterungsabstände genauer anzuschauen.

Woher können die Beschwerden kommen?

Reflux und Reizungen von Speiseröhre oder Magen können unterschiedliche Ursachen haben. Sie können beispielsweise im Zusammenhang mit Erbrechen, bestimmten Medikamenten oder einer Narkose auftreten. Auch Erkrankungen der Speiseröhre selbst können ähnliche Symptome verursachen.

Zusätzlich können Futtermittel, sehr fettreiche Mahlzeiten oder individuelle Unverträglichkeiten bei manchen Hunden Beschwerden verstärken.

Wiederkehrende Symptome sollten deshalb nicht dauerhaft mit der Erklärung „Der übersäuert halt schnell“ abgehakt werden. Je häufiger oder stärker die Episoden sind, desto sinnvoller ist es, die Ursache tierärztlich abklären zu lassen.

Soforthilfe im Akutfall

Wenn ein Hund plötzlich stark schmatzt, permanent leer schluckt oder einen Licky Fit entwickelt, möchte man natürlich zuerst dafür sorgen, dass es ihm möglichst schnell besser geht.

Was sinnvoll ist, hängt allerdings stark davon ab, ob diese Beschwerden bereits bekannt und tierärztlich abgeklärt sind oder ob sie zum ersten Mal auftreten.

Erst einmal Ruhe hineinbringen

Der Hund sollte möglichst ruhig bleiben und Zugang zu frischem Wasser haben. Hektisches Verhalten lässt sich nicht immer verhindern, aber zusätzliches Aufregen hilft einem ohnehin flauen Magen eher selten.

Bei einem Licky Fit sollte man außerdem darauf achten, was der Hund dabei aufnimmt. Wer gerade hektisch den Fußboden ableckt, unterscheidet nicht zuverlässig zwischen einem Krümel und etwas, das definitiv nicht in den Hund gehört.

Eine kleine Portion Futter kann bei manchen Hunden helfen

Wenn der eigene Hund solche Beschwerden bereits kennt und sie typischerweise bei leerem Magen auftreten, kann eine kleine Portion seines gewohnten, gut verträglichen Futters manchen Hunden helfen.

Das ist aber keine allgemeingültige Behandlung für jeden Licky Fit. Bei einem erstmals auftretenden heftigen Anfall sollte man nicht wahllos füttern oder verschiedene Hausmittel ausprobieren, ohne zu wissen, was überhaupt dahintersteckt.

Ulmenrinde als Unterstützung

Ulmenrindenpulver, häufig als Slippery Elm angeboten, wird von vielen Hundehaltern bei einem empfindlichen Magen eingesetzt.

Mit Wasser angerührt quillt das Pulver auf und bildet eine zähflüssige, schleimige Masse. Diese Schleimstoffe können gereizte Schleimhäute im Verdauungstrakt unterstützen und werden deshalb häufig bei Magen-Darm-Beschwerden verwendet.

Ulmenrinde ist allerdings kein Medikament gegen die eigentliche Ursache von Reflux und sie „entsäuert“ den Hund auch nicht einfach. Sie kann eine unterstützende Maßnahme sein, besonders bei Hunden, bei denen sie sich bereits bewährt hat.

Wichtig ist außerdem ein zeitlicher Abstand zu Medikamenten, da die Schleimstoffe deren Aufnahme beeinflussen können. Bei einem Hund, der regelmäßig Medikamente bekommt, sollte die Anwendung deshalb mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

Medikamente nicht einfach auf Verdacht geben

Säureblocker oder Medikamente gegen Übelkeit gehören nicht automatisch in jede Hunde-Hausapotheke.

Bei diagnostiziertem Reflux oder einer Entzündung der Speiseröhre können Medikamente zur Reduktion der Magensäure oder zum Schutz der Speiseröhre durchaus Teil der Behandlung sein. Welche Medikamente sinnvoll sind, hängt aber von der Ursache ab.

Wer einen Hund mit wiederkehrenden Episoden hat, kann mit dem Tierarzt einen individuellen Plan für den Akutfall besprechen. Dann weiß man im Zweifel bereits, was gegeben werden darf und wann der Hund untersucht werden sollte.

Das ist deutlich besser, als nachts im Internet nach der Dosierung irgendeines Medikaments aus dem eigenen Badezimmerschrank zu suchen.

Erbrechen oder Regurgitieren?

Für die Ursachenforschung ist dieser Unterschied ziemlich wichtig.

Beim Erbrechen arbeitet der Körper aktiv mit. Häufig gibt es vorher Übelkeit, Würgen und deutlich sichtbare Bewegungen der Bauchmuskulatur.

Beim Regurgitieren kommt Futter oder Flüssigkeit dagegen eher passiv wieder hoch. Starkes Würgen oder Bauchpressen fehlt meistens. Regurgitieren kann bei verschiedenen Erkrankungen der Speiseröhre auftreten.

Wenn Du Dir nicht sicher bist, was Dein Hund macht, ist ein Handyvideo Gold wert. Ein Tierarzt kann mit 20 Sekunden Video häufig mehr anfangen als mit der Beschreibung „Er hat da irgendwie so komisch gespuckt“.

Wann sollte der Hund zum Tierarzt?

Einmaliges Schmatzen oder ein Hund, der gelegentlich Gras frisst, ist noch kein Grund für Alarm.

Wiederkehrendes starkes Leerschlucken, häufige Licky Fits, regelmäßiges Regurgitieren, Schmerzen beim Fressen, Schluckprobleme, Appetitverlust oder Gewichtsverlust gehören dagegen abgeklärt.

Besonders hilfreich kann es sein, einige Tage lang aufzuschreiben, wann die Beschwerden auftreten, was der Hund zuvor gefressen hat und wie lange die Episode dauert.

Nicht jedes vermeintliche Sodbrennen ist harmlos

Manche Symptome, die zunächst nach Übelkeit oder Übersäuerung aussehen, können auch bei ernsteren Erkrankungen auftreten.

Wenn ein Hund wiederholt erfolglos würgt, einen deutlich aufgeblähten Bauch bekommt, starke Schmerzen zeigt, plötzlich sehr schwach wird, Atemprobleme entwickelt oder sich sein Allgemeinzustand schnell verschlechtert, gehört er sofort in tierärztliche Behandlung.

In solchen Situationen sollte nicht erst Ulmenrinde angerührt und abgewartet werden.

Beobachten ist oft der erste wichtige Schritt

Gerade wiederkehrende Magenbeschwerden haben häufig ein Muster. Vielleicht treten sie besonders früh morgens auf. Vielleicht nach bestimmten Mahlzeiten. Vielleicht immer dann, wenn zwischen Abendessen und Frühstück sehr viele Stunden liegen.

Deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen. Wann beginnt das Schmatzen? Wie lange dauert es? Frisst der Hund dabei Gras? Hat er vorher normal gefressen? Gibt es Regurgitieren oder Erbrechen? Passiert es immer nach demselben Futter?

Je genauer diese Informationen sind, desto leichter lässt sich gemeinsam mit dem Tierarzt herausfinden, was hinter den Beschwerden stecken könnte.

Fazit

Sodbrennen beim Hund und sogenannte Übersäuerung können sich beim Hund ganz unterschiedlich zeigen. Während der eine lediglich etwas häufiger schmatzt oder leer schluckt, erlebt der andere einen heftigen Licky Fit und verwandelt innerhalb weniger Minuten den Wohnzimmerteppich in ein Ganzkörper-Leckprojekt.

Solche Symptome sind nicht automatisch gefährlich. Wiederholen sie sich aber regelmäßig, sollte man sie auch nicht als harmlose Marotte abtun.

Ulmenrinde, angepasste Fütterungsabstände oder andere unterstützende Maßnahmen können bei manchen Hunden hilfreich sein. Entscheidend ist trotzdem, die Ursache wiederkehrender Beschwerden zu kennen.

Denn Schmatzen ist ein Symptom. Licky Fits sind ein Symptom. Und „Übersäuerung“ ist zunächst nur ein Name für ein Problem, bei dem sich die eigentliche Frage noch stellt: Warum passiert es überhaupt?

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