Miau Almería Canina arbeitet anders als unsere beiden Partnertierheime. Es gibt kein zentrales Gelände, auf dem alle Hunde untergebracht sind. Stattdessen koordiniert die Organisation ein großes Netzwerk aus Pflegestellen. Und groß bedeutet in diesem Fall wirklich groß.
Zeitweise sind es bis zu 80 Pflegestellen, die gleichzeitig organisiert werden müssen. Manche bestehen aus einem ganz normalen Haushalt. Vielleicht ist es ein Student, der für eine gewisse Zeit eine Katze aufnehmen kann. Andere Stellen sind deutlich größer, beherbergen mehrere Hunde oder verfügen über viel Erfahrung und die nötigen Möglichkeiten, auch schwer verletzte oder besonders betreuungsintensive Tiere aufzunehmen.
Pflegestelle ist deshalb nicht gleich Pflegestelle. Und schon gar nicht automatisch das, was wir in Deutschland darunter verstehen.
Hinter jeder einzelnen Pflegestelle steckt Organisation. Wer braucht gerade Futter oder etwas anderes? Welches Tier passt wohin? Wer kann einen Welpen aufnehmen? Oder besser gleich den ganzen Wurf? Und wer hat überhaupt Kapazität für den Hund, der morgen nach seiner Notfall-OP aus der Klinik entlassen wird?
Dazu kommen Futterlieferungen, Tierarzttermine, Fahrten, Rückfragen, hunderte E-Mails und Nachrichten, Anrufe, Vermittlungen und ständig neue Notfälle. Das alles wird von wenigen Menschen koordiniert, die nebenbei noch einen ganz normalen Beruf und ein eigenes Leben haben.
Miau ist kein großer professioneller Apparat mit Verwaltung, Schichtdienst und Fuhrpark. Das Kernteam besteht aus wenigen Ehrenamtlichen mit ziemlich viel Herz, Organisationstalent und einem Telefon, das eigentlich nie stillsteht.
Wenn alle Pflegestellen belegt sind, ist damit übrigens nicht automatisch Schluss. In dringenden Fällen nutzt Miau auch kostenpflichtige Pensionsplätze, um einen Hund überhaupt erst einmal sicher unterzubringen. Das schafft kurzfristig Luft, kostet aber natürlich zusätzlich Geld und erhöht den finanziellen Druck noch einmal deutlich.

Ein Welpe wurde in einer Mülltonne gefunden. Eine verletzte Katze liegt irgendwo und braucht sofort Hilfe. Ein Tier muss dringend aus einer gefährlichen Situation geholt werden. Oder es kommt eine Anfrage aus einer Tötungsstation und es stellt sich die Frage, ob irgendwo noch Platz geschaffen werden kann.
Wenn Gefahr im Verzug ist, wird nicht lange diskutiert. Dann wird organisiert, gefahren, telefoniert und versucht, irgendwie eine Lösung zu finden. Und während ein Hund gerade zur Klinik gebracht wird, klingelt oft schon wieder das Telefon wegen des nächsten Falls.
Wenn Kapazitäten vorhanden sind, holen sie auch Hunde aus der Tötungsstation. Aber auch hier gilt: Retten bedeutet nicht nur, ein Tier dort herauszuholen. Danach braucht es einen Platz, medizinische Versorgung, Futter und möglicherweise über Wochen oder Monate Betreuung.
Ein geretteter Hund ist deshalb nicht das Ende der Arbeit. Meist ist es der Anfang.
Ein großer Teil dieser Arbeit findet außerdem nicht bequem an einem Ort statt. Die Hunde müssen in Tierkliniken gebracht werden, zu Tierärzten, auf Pflegestellen oder von einer Stelle zur nächsten. Manche Fahrten sind lang.
Und trotzdem werden sie gemacht. Wenn ein Hund medizinische Hilfe braucht, spielt es am Ende keine große Rolle, ob die passende Klinik gleich um die Ecke liegt oder viele Kilometer entfernt ist. Dann wird gefahren.
Auch finanziell ist diese Arbeit eine Mammutaufgabe. Miau Almería Canina lebt von Spenden. Rettungen, Tierkliniken, Medikamente, Diagnostik, Operationen, Futter und Transporte bezahlen sich nicht dadurch, dass alle Beteiligten sehr engagiert sind.
Gerade schwere medizinische Fälle können innerhalb kürzester Zeit enorme Kosten verursachen. Und wenn gleichzeitig viele Tiere betreut werden, laufen auch die kleinen täglichen Ausgaben immer weiter. Trotzdem wird nicht nach dem bequemsten oder billigsten Weg gesucht, sondern danach, was das Tier gerade braucht.
Das beeindruckt uns immer wieder.
Dass die Tiere auf Pflegestellen leben, bedeutet übrigens nicht automatisch, dass jeder Hund schon einen typischen Familienalltag kennt. Die Pflegestellen sind sehr unterschiedlich. Manche Tiere leben in ganz normalen Haushalten mit Familienalltag. Andere befinden sich auf privaten Geländen mit mehreren Hunden. Wieder andere kommen auf sehr spezialisierte Stellen, weil sie medizinisch intensiv betreut werden müssen.
Ein Hund kann deshalb auf einer spanischen Pflegestelle gut mit anderen Hunden leben und trotzdem noch nie einen Kinderwagen gesehen haben. Er kann Menschen kennen, aber keinen deutschen Straßenverkehr. Er kann im Rudel völlig selbstverständlich funktionieren und trotzdem keine einzige typische Leinenbegegnung kennen.
Deshalb gilt genauso wie bei Hunden aus dem Tierheim: Die Informationen aus Spanien sind wertvoll. Aber sie sind immer im Kontext der jeweiligen Lebenssituation zu sehen.
Was uns bei Miau besonders beeindruckt, ist das Verhältnis zwischen der Größe des Teams und dem, was dieses Team leistet. Dahinter stehen keine zehn hauptberuflichen Tierschutzmitarbeiter. Es sind wenige Menschen, die arbeiten gehen und den Tierschutz ehrenamtlich zusätzlich stemmen.
Und trotzdem koordinieren sie Pflegestellen, Rettungen, medizinische Fälle, Transporte und Vermittlungen. Sie beantworten Nachrichten, organisieren Termine, sammeln Spenden und versuchen gleichzeitig, für jedes Tier die möglichst beste Lösung zu finden.
Natürlich belastet das. Gerade schwere Notfälle gehen nicht einfach an einem vorbei. Wer ständig verletzte, ausgesetzte oder schwer kranke Tiere sieht, steckt das nicht nach Feierabend in eine Schublade und macht am nächsten Morgen einfach unberührt weiter. Es fließen Tränen. Und trotzdem geht es weiter.
Unsere Zusammenarbeit mit Miau ist inzwischen längst freundschaftlich. Wir vertrauen uns, stehen eng im Austausch und teilen nicht nur Informationen über Hunde, sondern auch Freude, Sorgen und die Dinge, die im Tierschutz eben so passieren.
Was wir an ihnen besonders schätzen: Sie verlangen nichts. Sie erwarten nichts. Und gleichzeitig geben sie unglaublich viel.
Genau deshalb unterstützen wir sie, wo wir können. Weil wir wissen, wie viel Arbeit dort an wenigen Menschen hängen bleibt und wie viel Verantwortung sie täglich übernehmen.

Vielleicht ist genau das das Beeindruckendste. Diese Menschen haben Dinge gesehen, die niemand gern sehen möchte. Sie haben Tiere in Zuständen gefunden, die man nicht einfach vergisst. Sie haben Hunde verloren, obwohl alles versucht wurde, mit Tierkliniken gebangt, Rechnungen organisiert und Tiere nachts abgeholt.
Und trotzdem sind sie positiv geblieben. Sie lachen, freuen sich über jeden kleinen Fortschritt, feiern Vermittlungen und freuen sich ehrlich, wenn ein Hund endlich dort angekommen ist, wo er bleiben darf.
Nicht weil ihnen die schlimmen Dinge nichts ausmachen. Sondern obwohl sie ihnen etwas ausmachen.
Für uns sind sie Tierschützer mit Herzblut. Durch und durch.
Wenn wir einen Hund von Miau übernehmen, nach Deutschland vermitteln oder auf eine unserer Pflegestellen holen, wird bei ihnen gleichzeitig wieder ein Platz frei. Und genau dieser freie Platz kann beim nächsten Anruf entscheidend sein.
Denn bei Miau bedeutet eine erfolgreiche Vermittlung nicht nur das Happy End für einen einzelnen Hund. Sie schafft oft direkt die Möglichkeit, den nächsten Notfall aufzunehmen.
Gerade bei einem Pflegestellennetz, das ständig an seinen Kapazitätsgrenzen arbeitet, ist jeder frei werdende Platz wertvoll.
Seit 2021 arbeiten Sonnenpfoten und Miau Almería Canina zusammen. Für uns bedeutet diese Partnerschaft vor allem Vertrauen. Wir wissen, dass die Menschen dort alles tun, was in ihren Möglichkeiten liegt. Und sie wissen, dass wir genauso versuchen, für die Hunde, die wir übernehmen, passende Wege nach Deutschland zu finden.
Aus einer Zusammenarbeit ist längst ein freundschaftliches Verhältnis geworden.
Und vielleicht passt genau das am besten zu Miau: wenige Menschen, sehr viele Aufgaben und trotzdem erstaunlich viel positive Energie. Sie könnten wahrscheinlich jeden Tag hundert Gründe finden, warum es nicht mehr geht.
Stattdessen suchen sie meistens nach Grund Nummer 101, warum es doch irgendwie gehen könnte.

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